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lange Zitate, lange Antwort Teil III (Plauderei)

tidi, (vor 3764 Tagen) @ tidi


Ein ganz anderes Thema ist unsere Gerichtsbarkeit. Sie funktioniert nur rudimentär und basiert auf dem gesellschaftlichen Konsens: Das macht man nicht. Wer es doch macht soll sanktioniert werden damit der Konsens erhalten bleibt. Es hat nichts mit Resozialisierung zu tun auch eine zweites und drittes mal Bewährung zu geben und insbesondere auf Haftstrafen zu verzichten. Alle Umstände vor der Tat werden berücksichtigt. Es hat sich eingeschlichen den Täter zu betrachten und nach allem zu suchen, was die Strafe mildern könnte. Das hat mit Resozialisierung nichts zu tun denn die kommt ja erst nach der Strafe, der Entsozialisierung. Dann Resozialisierung, zurück in die Gesellschaft. Der zweite Teil der Präambel des Strafgesetzbuches spricht vom Schutz, auf den die Gesellschaft Anspruch hat. Wenn Junge Erwachsene 10 und mehr Verfahren gleichzeitig laufen haben ist was falsch.
Haftplätze sind teuer? Sicher aber nur weil die Gesamtkosten für Schäden in der Gesellschaft nie ernsthaft gegengerechnet werden.

Ich habe nie verstanden, warum Gelddelikte härter verurteilt werden als Schäden an der Psyche (Missbrauch, Gewalt, ...)
Und ich habe es auch erlebt, von einem Richter bei einer Verhandlung vorverurteilt worden zu sein, ohne dass er mich (ich war als Zeuge geladen) gesehen oder gehört hätte.
Da hat mich allerdings der Rechtsstaat vor einem Fehlurteil geschützt.

Ich war mit einem Freund zur Probe unterwegs und wir waren von einem Unfallzeugen als fahrerflüchtige Unfallverursacher angegeben worden. Wir sind jedoch erst (räummlich) später auf die Straße eingebogen, auf der der Unfall passiert war und der Zeuge hatte uns erst an einer Ampel im weiteren Verlauf gesehen. Weil er uns nicht lückenlos vom Unfallort bis zu dieser Ampel verfolgt hat, musste ich nicht mehr aussagen.

Vor der Verhandlung hatte der Richter wie uns später erzählt wurde (wir mussten draußen warten) gesagt, dass ich gleich eine Falschaussage zu Gunsten meines Freundes machen würde, um ihn als Unfallverursacher zu decken.

Wäre ich wegen Falschaussage verurteilt worden, hätte ich mein Vertrauen in die Justiz wahrscheinlich verloren, so aber sehe ich sie als sicher nicht perfekt, aber zumindest nicht grundverkehrt und bin froh, dass es sie gibt.

Wenn der Konsens über richtig und falsch aufgelöst wird und es nur noch darum geht, Bestrafung zu vermeiden und für sich selbst das meiste rauszuholen, liegt in unserer Gesellschaft etwas im Argen. Aber auch hier - meine Kinder messen mich an der Differenz zwischen meinen Worten und meinem Handeln. Fehler kann jeder machen und niemand ist perfekt, aber miteinander muss gelebt werden - das kostet Kraft und Lebenszeit, ist aber aller Mühe wert.

Quelle: Verwandschaft in dem Laden

Lass Dir nicht den Tag versauen von meine Worten


Grüße, Ingolf

Gruß & gute Nacht (ich wollte vor einer Stunde im Bett sein)

Tim


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