Hallo Thomas.
Die politische Meinung im Land besagt doch, dass Menschen mit geringerer Bildung eher zur Aggressivität neigen, als solche mit höherer Bildung. Demnach sind also gebildete Menschen zivilisierter als ungebildete.
Also zunächst einmal dieses: Ich habe hier mit "die politische Meinung" begonnen, um damit klar zu machen, dass es nicht meine Meinung ist. Vielleicht hätte ich das deutlicher zum Ausdruck bringen müssen. Ich glaube, die Neigung zur Aggressivität ist durch das Umfeld und die Familie eines Menschen, nicht durch seine Bildung beeinflusst. Wer in liebevoller Umgebung aufwächst, wird nicht zum Schläger nur weil er nicht lesen kann.
Der Typ Fahrer, der aggressiv (= "sportlich" = grob verkehrswidrig und rücksichtslos) fährt und deshalb auch aggressiv und "böse" aussehende Schüsseln liebt, ist vom Geldbeutel abgesehen derselbe.
Was das betrifft gebe ich dir recht, allerdings sieht der Umkehrschluss etwas anders aus. Denn nicht jeder, der ein "böses" Auto fährt, ist auch gleich ein Verkehrsrowdy, auch wenn man leicht den Eindruck gewinnt es sei anders.
Nicht umsonst fahre ich deshalb ganz bewußt den ausgesprochen freundlich aussehenden Kangoo G 1 Ph 1 und die noch freundlichere Ente. Ich signalisiere auch damit, daß Aggressionen im Straßenverkehr nichts zu suchen haben.
Das ist der große Unterschied zwischen dir und mir. Du kannst bewusst entscheiden, welches Auto mit welchem Design du gern fahren möchtest, und machst das auch. Ich dagegen betrachte ein Auto als reinen Gebrauchsgegenstand und habe noch nie darauf geschaut, ob mir die Farbe oder die Form der Scheinwerfer zusagt. Wenn ich ein Auto kaufe, gibt es nur zwei Bedingungen: es muss in mein Budget (preislich wie im Unterhalt) passen und es muss ein Kombi sein bzw. zumindest eine Heckklappe haben, von Autos mit Stufenheck halte ich nichts. Alles Andere ist mir ziemlich gleichgültig und wenn die Bedingungen auf einen Wagen mit bösem Blick passen, dann ist das eben nicht zu ändern. Im übrigen hab ich auch schon böse Enten gesehen. 
Und nur um Misverständnissen vorzubeugen: Ich will damit nicht sagen, dass ich dich um irgendetwas beneide. Ich war in finanzieller Hinsicht schon deutlich besser gestellt als ich es zur Zeit bin, habe aber meine Autos trotzdem nach oben genannten Kriterien ausgesucht. Ich bin nämlich der Meinung, dass man über wichtigere Dinge als das Design eines Gebrauchsgegenstandes nachdenken kann.
Die Kräfte in der Automobilindustrie (Marketing und Designer), die um des Profits willen Aggressionen mobilisieren, halte ich für kriminell. Es ist also keine "reine Geschmackssache", sondern die Frage richtigen und zivilisierten oder falschen und unzivilisierten, gefährlichen Bewußtseins.
Da gehen unsere Meinungen wieder auseinander. Ich glaube, die Designer richten sich nach dem Geschmack und den Wünschen der Kunden, denn sonst würde das neue Modell ja zum Ladenhüter. Da könnte man jetzt zwar argumentieren, was es nicht gibt, kann auch nicht gekauft werden, aber jeder Autokonzern möchte seinen Marktanteil haben und halten und muss sich deshalb von den Anderen unterscheiden, ein Gesetz der Marktwirtschaft. Das Design ist der einfachste Weg, das zu erreichen. Wäre es anders, würden wir alle Golf o.ä. fahren und wären dem Sozialismus wieder ein Stück näher.
Und wie das nun einmal so ist im Leben, über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht (oder trefflich, je nachdem, welche Version des Sprichwortes bei euch gebräuchlich ist) streiten und wahrscheinlich wirst du deine Ansichten zu diesem Thema ebensowenig ändern wie ich, also belassen wir es doch besser dabei, oder?
Schönen Tag noch.
Gruß, Katja